Von der Freiheit in der Wüste
„Nicht nur vom Brot allein …“
Von der Freiheit in der Wüste
Nach vierzig Tagen Hunger zu haben, ist wenig überraschend. Überraschend ist jedoch, warum Jesus in die Wüste ging: Das Matthäus-Evangelium berichtet, er sei vom Geist dorthin geführt worden, um versucht zu werden. Was dort geschah, war kein Zufall, sondern von Gott gewollt. Das Fasten öffnete Jesus für die innerste Entscheidungssituation seines Lebens.
Die Versuchung, der Jesus begegnet, ist subtil. Der Versucher setzt genau dort an, wo Jesus kurz zuvor bei seiner Taufe Gottes Stimme hörte: „Du bist mein geliebter Sohn.“ Der Teufel flüstert: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann mach dich unabhängig! Fang damit an, die Brotversorgung selbst in die Hand zu nehmen. Sei dein eigener Herr.“
Wir kennen das aus unserem Alltag: Stellen wir uns vor, wir hätten alles im Überfluss. Dennoch greifen wir nach dem „zusätzlichen Brot“, wenn es uns angeboten wird – sei es aus der Angst heraus, dass das Vorhandene nicht reicht, oder aus dem Gefühl der Macht, sich über Grenzen hinwegzusetzen.
Jesus begegnet der Versuchung mit einer Freiheit, die uns Staunen lässt. Er leugnet seinen Hunger nicht, aber er weigert sich, seine Freiheit als Kind Gottes dafür zu verkaufen. Er erinnert uns daran, dass unser Leben einen tieferen Urgrund hat, der uns trägt.
Wenn wir im Vaterunser beten: „Und führe uns nicht in Versuchung“, dann ist das keine Bitte um ein bequemes Leben. Es ist die Bitte um die Erinnerung an unsere Freiheit. Als Töchter und Söhne Gottes müssen wir weder Brot noch Macht um den Preis unserer Seele erwerben.
Ich wünsche uns allen die Kraft, in den kommenden Wochen der Fastenzeit diese Form der Freiheit neu zu entdecken.
Pfarrdechant Hans-Bernd Krismanek










 (Altes Pilgergebet, aus Youcat Jugendgebetbuch)
Dass diese Freude an Gott auch Sie stärken, aufrichten, trösten, motivieren, leiten, begleiten und segnen möge, das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen!
Liebe Schwestern und Brüder,