Karfreitag aushalten, um Ostern feiern zu können
Karfreitag aushalten, um Ostern
feiern zu können
Jedes Jahr wieder und immer wieder neu bin ich überrascht und zunehmend irritiert, dass so viele Gläubige an Ostersonntag in die Kirche gehen, die an Karfreitag gar nicht im Gottesdienst waren.
Wie geht es, die Auferstehung von jemandem zu feiern, von dessen Tod man gar nicht erfahren und den man nicht betrauert hat?
Ich kann ja durchaus verstehen, das viele das Leid einfach leid geworden sind, angesichts all dessen, was Tag für Tag in unserer Welt geschieht, was auch Menschen in unserem Bekanntenkreis an Leid erfahren oder wir sogar selbst für ein Päckchen zu tragen haben. Doch wenn wir die Redewendung „Was uns nicht umbringt, macht uns härter“ mit einigem Recht abwandeln zu „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“ wird einem doch bewusst, dass es Sinn macht, dem Leid nicht aus dem Weg zu gehen.
Das Leid stärkt unser Vertrauen zu uns selbst und in unser eigenes Leben, angesichts dessen, was man alles überstehen und hinter sich lassen oder gegebenenfalls auf Dauer ertragen und aushalten kann. Es stärkt die Beziehungen zu denen, die sich von unserem Leid nicht abgewendet, sondern es mit uns getragen, angeschaut und mit uns ausgehalten haben. Und es vermag auch die Beziehung zu Jesus Christus zu stärken, dessen Erkennungszeichen bis heute das Kreuz und keineswegs das Osterei ist.
Leiden anzuschauen, es zu meditieren, so gut es geht zu akzeptieren und sogar zu feiern – und sei es mit Tränen in den Augen, wie es bei Trauerfeiern regelmäßig geschieht, den Karfreitag also zu begehen, ist Voraussetzung, um Ostern feiern und sich wirklich daran freuen zu können.
Übrigens ist in der evangelischen Kirche Karfreitag der höchste Feiertag des Jahres. Falls Ihnen die Gottesdienste bei uns zu traurig sind, versuchen Sie es doch mal da.

Gesegnete Kar- und frohe Ostertage wünscht Ihnen, auch im Namen des pastoralen Teams,
