Geistliches Wort

Was hat das mit dem Leben zu tun, Herr Pastor?

 Gelegentlich wird der Wunsch geäußert, dass die Predigt besser aufzeigen solle, was die biblischen Texte mit dem Leben zu tun hätten. Dem stimme ich zu und möchte doch den Ball zurückspielen.

der Predigt die Frage gestellt, wer im Verlaufe der Woche über Gott nachgedacht habe. Ca. ein Drittel der Gemeinde zeigte auf. Auf die zweite Frage hin, wer in den letzten sieben Tagen mit einer anderen Person über Gott gesprochen habe, erhoben sich noch weniger Finger.

Der Glaube wird nur wachsen können, wenn wir uns fortwährend mit Gott beschäftigen. Der Blick auf die Wirklichkeit zeigt, dass es nicht ausreicht, (gelegentlich) die Heilige Messe am Sonntag zu besuchen, um zu einem selbstbewussten Christen zu werden. Es braucht darüber hinaus Räume, in denen wir Zeit zum Gebet, zum Nachdenken, zum Austausch über Gott haben. Nur so können wir uns vergewissern, wer Gott für uns ist, wie er zu finden ist, wie er sich zeigt und können so dem gerecht werden, was von uns allen (!) gefordert ist: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ (1 Petrus 3,17)

Gerade bei jungen Menschen kann man es beobachten. Nur diejenigen, die sich ausdrücklich in ihrer Freizeit mit Gott persönlich auseinandersetzen und beten, stehen fest im Glauben. Das sind leider viel zu wenige. Es gibt zu wenig Möglichkeiten. Deswegen ist auch nicht klar, was Gott und die heiligen Schriften mit unserem Leben zu tun haben. Das muss letztlich jeder selbst entdecken und darin besteht die große Würde des Christen: Eine persönliche Beziehung zu Gott entwickeln. Kleine Gruppen sind dafür unerlässlich und in Zukunft wird das Christentum in Europa nur bestehen können, wenn wir Gruppen gelebten, intensiven Glaubens haben. Auch bei uns gibt es die eine oder andere Gruppe, die für den Glauben der einzelne sicherlich sehr wichtig geworden  ist. Es gibt Familien-, Gebets- und Lesekreise. Was brauchen Sie?

Viel Segen!

Vikar Jonas Klur

 

 

12.06.18
Vitusstatue in Corvey

HL. Vitus in Corvey

Vitusfest am 17. Juni  in Corvey

Als Glaubende gehen wir

unseren Weg,

nicht als Schauende.“
(2 Kor 5,7)

 

 

Mitte Juni blicken wir im Pastoralverbund auf den hl. Vitus, den Schutzpatron Corveys, der um 304 als Märtyrer unter der Herrschaft des römischen Kaisers Dikokletian gestorben ist.

Grundlegend für den christlichen Glauben ist die Überzeugung, dass es Gott mit der Schöpfung ernst meint und unbedingt ihr Heil will. In Jesus Christus hat sich dieser Wille Gottes und seine Treue zum Menschen gezeigt: Gott hat den getöteten Zeugen seiner Liebe nicht im Tod gelassen, sondern zu neuem Leben auferweckt und damit das große Ziel menschlichen Seins aufgezeigt.

Dafür steht das Zeugnis des hl. Vitus. Der hl. Vitus hat auf Gott vertraut und den Mut gefunden – wie es die Legenden berichten -, dem römischen Kaiser die Stirn zu bieten. In seinem Glauben steckt für uns eine Kraft, die ihre Entfaltung im Alltag finden will:  Der Gläubige kann sich in seinen Nöten und Ausweglosigkeiten vor Gott stellen und alles an Gott abgeben. Glaubende können sagen: Mach du, Gott, was draus. Dein Wille geschehe.

So kann das Beispiel des hl. Vitus und der anderen Glaubenszeugen uns auf unserem Weg als Glaubende stärken. Schauende werden wir in Gottes Herrlichkeit sein; einen Vorgeschmack dafür liefern uns in Corvey das Westwerk als Abbild des himmlischen Jerusalem und die barocke Abteikirche als Fenster in die Ewigkeit.

Ihr

Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek