Geistliches Wort

01.02.19
Zuwendung als Lebensmittel

Jeder Mensch hat seine je eigene, individuelle Handschrift, nicht nur wenn er etwas notiert, auch in seinem Sprechen und der Art und Weise, wie er sich gibt und gestikuliert. Daran kann man ihn erkennen. Die Jünger von Emmaus haben Jesus daran erkannt, wie er ihnen das Brot brach.

Gibt es eine Handlung, die für Sie typisch ist?
Bei unserem Reden unterstützen unsere Hände das, was wir sagen.

Was drückt die Sprache Ihrer Hände tendenziell aus?

Offenheit oder eher Zurückhaltung? Sie sind zärtlich
– heilend – tröstlich – oder feucht und nervös? Sind
sie locker – gespreizt – oder gar geballt?

Begegnen wir anderen mit offenen Händen oder sind sie eher zu Fäusten geballt?

Zuwendung ist tatsächlich ein wichtiges Lebensmittel. Daran hängt auch der Glaube. Er hängt an dem, was ich tu und wie ich es tu, wie ich mich gebe und was ich vermittle. Da spielen nicht nur Wohlwollen und Sympathie eine Rolle, sondern auch Glaubensvermittlung. Doch wie wird sie erfahrbar? In großen Pastoralverbünden geht die Nähe zu den Menschen leicht verloren – gerade auch die Nähe zwischen Priestern und Gemeindemitgliedern. Doch sie ist nicht allein Sache der
Priester. In einer Gesellschaft, in der die Anonymität zunimmt, braucht es besonders der Nähe.

Jesus hat seinen Nachfolgern ein neues Miteinander weitergegeben – es macht den besonderen Glanz und die Qualität des Reiches Gottes aus: Wir alle sind Geschwister. Dieser Gedanke steht am Anfang der christlichen Gemeinde. Dabei tritt Gott hinter den Menschen zurück und manchmal verbirgt er sich in ihnen.

Nachfolger Jesu war der gläubige Mensch in der Gemeinschaft mit allen, die den Glauben mit ihm teilen. Schon die Gemeinschaft von 30-50 Christen nennt Paulus in Philippi „Kirche“, als er sagt: „Vor allem: lebt als Kirche so, wie es dem Evangelium Christi entspricht.“ Kirche baut sich von unten auf und wird zu einer großen Gemeinschaft.

Es gilt also Hand anzulegen überall dort, wo es das Evangelium von uns erwartet. Unabhängig von allen strukturellen Veränderungen, bleibt die Zuwendung die Aufgabe aller Christen. Möglichkeiten dazu gibt es genug – auch in unserem großen Pastoralverbund Corvey.

Bernhard von Clairvaux hat gesagt: „Gott kann nicht leiden, aber mitleiden.“ Zuhören ist der erste Schritt unserer Zuwendung. Wenn wir sonst gar nichts könnten, zuhören können wir auf jeden Fall. Damit schenken wir einem Menschen eine kurze Spanne Feiertag und auf jeden Fall Gottes Liebe.

Pastor Thomas Nal
Mit freundlichem Gruß
Thomas Nal