Geistliches Wort

19.12.16
weihnacht

Bild: Friedbert Simon; Pfarrkirche St. Josef, Aschaffenburg www.pfarrbriefservice.de)

„Wann ist Weihnachten?“

 

In Erwartung vieler schöner und ersehnter Geschenke, lautete so meine Frage, die Frage eines Kindergartenkindes, zum Weihnachtsfest. Die Antwort schnitten die antwortenden Erwachsenen dem fragenden Kind auf den Leib zu. „Weihnachten ist, wenn das Christkind kommt.“

Ich war mit der Antwort einverstanden. Eine kindliche Zufriedenheit erfüllte mich. Wie gerne waren wir alle Kinder in einer überschaubaren Welt, die uns die Erwachsenen erklärten. Meine Eltern und Lehrer deuteten mir die Welt und führten mich, ohne zu ahnen, was sie damit anrichten, in die Art wie Erwachsene zu denken pflegen ein. Für meinen Teil kann ich sagen, sie hatten Erfolg, denn nun forderte ich auf die Frage nach Weihnachten eine erwachsene Antwort ein. Zählen und Messen entdeckte ich als neue Werkzeuge meines Geistes, die mein Denken und Sprechen von nun an prägten. Weihnachten ist am 25. Dezember jeden Jahres und es sind noch so und soviel Tage bis Weihnachten.

„Weihnachten ist, wenn das Christkind kommt.“ Auf die Frage nach dem Fest hatten mir die Erwachsenen eine Antwort gegeben, die auf einen Prozess verwies. Da muss jemand kommen und dieser jemand ist noch nicht da, muss wohlmöglich erst wachsen wie ein Kind. Darum mag es richtig sein, wenn dieser Prozess mit einem Kind in Beziehung gesetzt wird. Kinder wachsen und zeugen ganz natürlich vom unverfälschtem Wachstum des Lebens.

Gott wird Mensch! So lautet die Botschaft von Weihnachten und deutet sich im Christkind. Gott ist nicht irgend etwas, so wie ihn die Philosophen abendländischen Prägung gerne beschreiben, nein, Gott wird etwas. Gott wird Mensch. Gott wächst zum Menschen hin oder ich möchte es spitzer formulieren, indem ich zu sagen wage, Gott wächst in den Menschen hinein. Es mag auf der Hand liegen, dass er sich dabei selber mitbringt. In seiner Lebensfreude, seinem Glück, seiner Vollkommenheit aber auch mit seinem Verständnis, seiner Barmherzigkeit, seinem Frieden und seiner Liebe.

Weihnachten bewegt sich Gott auf den Menschen zu und wird zu einem nahbaren Gegenüber. Gott rückt sich menschlich in unsere Nähe. Alle Menschen werden unwiderstehlich eingeladen, sich auf Gott zuzubewegen. Der Mensch wächst in einer Gegenbewegung auf Gott zu und hat so Anteil an all dem, was wir uns zu Weihnachten wünschen.

 

Röttger 01In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein gesegnetes, friedvolles und frohes Weihnachtsfest und alles Gute sowie Gesundheit für das neue Jahr.

 

Markus Röttger