Geistliches Wort

Im Zeichen der Auferstehung

18.04.19

Verlieren kann man vieles. Die Brieftasche, den Schlüssel, das Handy, die Uhr. Das ist oft ärgerlich und frustrierend. Wir suchen und fragen und lassen nicht locker, bis wir es vielleicht wiederfinden. Manchmal führt uns die Suche auch in ein Fundbüro. Von einem Fundbüro der besonderen Art habe ich vor kurzem gelesen. Zwei Schweizer Künstler eröffneten in Zürich ein Fundbüro für Immaterielles. Mit ihrer Aktion wollten sie die
Menschen anregen, über den Wert immaterieller Güter nachzudenken.
Verlieren kann man nämlich auch die Hoffnung, die Selbstachtung, den Mut, den Halt im Leben, den Glauben, das Vertrauen.

Tatsächlich suchten (auch junge) Menschen dieses Fundbüro auf und erfuhren dort, wie heilsam es ist, reden zu können über Ängste, Verluste, Hoffnungen. Wie wohltuend es ist, wenn Menschen einfach nur zuhören, ohne etwas zu wollen oder zu erwarten.
Sind das nicht „Ostererfahrungen“ – heute – ganz konkret? Erfahrungen, die Menschen auf-atmen und aufleben lassen, die neue Hoffnung, neues Vertrauen und neuen Mut schenken!
In den Osterevangelien hören wir von erschrockenen, verstörten,
weinenden Menschen, die ihren Halt, ihre Hoffnung, ihren Herrn, ihren Weggefährten und Freund Jesus verloren haben.
Sie wissen nicht, wie es weiter gehen soll. Aber sie suchen. Sie suchen und fragen, wollen verstehen, machen sich mit Gleichgesinnten auf den Weg. „Was sucht ihr<?“ hören die Frauen am Ostermorgen in der Grabkammer (Lk 24,5). „Wen suchst du<?“ hört Maria Magdalena am Ostermorgen im
Garten (Joh 20,15). „Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?“ hören die beiden Jünger auf ihrem Weg nach Emmaus (Lk 24,17). Die Begegnungen, die Antworten werden ihre Trauer, ihre Verlorenheit, ihren Blick auf den Tod und auf das Leben verändern.
Von den Frauen am Ostermorgen kann ich lernen, suchend in die Osternacht zu gehen. Suchend nach Worten und Zeichen, die neue Hoffnung, neues Vertrauen, neuen Glauben in das Leben hier und heute säen.
Mögen die Ostertage für Sie zum „Fundbüro“ der ungeahnten
Möglichkeiten Gottes für Ihr Leben werden.

Ein frohes und gesegnetes Osterfest im Namen des ganzen
Pastoralteams wünscht Ihnen von Herzen
Marie-Luise Bittger