Besondere Anlässe

In der Abteikirche Corvey werden viele Heilige besonders geehrt; ihre Reliquien galten im Mittelalter als besonderer Schatz und Reichtum der Kirche. Eine herausragende Stellung nehmen in Corvey die Kirchenpatrone Stephanus und Vitus, sowie Heilige, die in Corvey gewirkt haben, ein:

Vitus in Corvey

Vitus

Der Heilige Vitus – Statue in der Abteikirche Corvey

Im Jahre 836 wurden die Gebeine des Hl. Vitus aus der Abtei St. Denis bei Paris nach Corvey übertragen. Seitdem gilt der Heilige Vitus als der Schutzpatron des Corveyer Landes. Sein Gedenktag wird alljährlich am 15. Juni bzw. am darauf folgenden Sonntag festlich begangen.

Wer war der „Heilige Vitus“?

Der Heilige Vitus (Veit) wurde im dritten Jahrhundert n. Chr. in Mazara in Sizilien geboren. Er wuchs bei seinen Pflegeltern Crescentia und Modestus auf und wurde dort im christlichen Glauben erzogen. Da sein Vater ihn wegen seines christlichen Glaubens umbringen wollte, floh Vitus mit seinen Pflegeeltern in die Region Salerno. Der Legende nach brachten ihnen die Adler Brot, so dass sie überleben konnten. In dieser Zeit soll Vitus die ersten Wunderheilungen vollbracht haben.

Der damalige römische Kaiser Diokletian erfuhr von Vitus und holte ihn nach Rom, um den Sohn Diokletians zu heilen, der von einem „bösen Geist besessen“ war. Trotz der Heilung seines Sohnes verlangte der Kaiser, dass sich Vitus vom christlichen Glauben abwendet.

Als sich Vitus weigerte, wurde er zusammen mit seinen Pflegeeltern Crescentia und Modestus, wie viele Christen in dieser Zeit, in der Arena den Löwen vorgeworfen. Der Legende nach griffen die Löwen Vitus aber nicht an, sondern legten sich zu seinen Füßen hin. Diokletian ließ darauf Vitus, Crescentia und Modestus in siedendes Öl werfen, um sie zu töten. Der Legende nach retteten Engel die drei und brachten sie zurück in ihre Heimat. Dort sollen sie von Adlern bewacht worden sein, bis man sie fand und beerdigen konnte. In Corvey ist die Statue Vitus‘ daher mit Löwe und Adler dargestellt. Das Todesjahr von Vitus ist mit 304 n. Chr. überliefert.

Der Heilige Vitus gilt als Schutzpatron der Apotheker, Gastwirte, Bierbrauer, Winzer, Kupferschmiede, der Tänzer und Schauspieler, sowie allgemein der Jugend. Als einer der 14 Nothelfer wird er auch angerufen gegen zahlreiche Krankheiten wie Epilepsie, Krämpfe und Tollwut, Bettnässen, Gehörlosigkeit und Augenkrankheiten und auch bei Blitz und Feuergefahr, Unfruchtbarkeit, bei Aussaat und Ernte. Auch ist er Schutzpatron von Sizilien, Serbien, Sachsen, Böhmen und der Städte Prag und Mönchengladbach.

Der 15. Juni ist Gedenktag des Heiligen Vitus. Dieser Tag galt im Mittelalter als Anfang des Mitsommers.

Zur jährlichen Vitusfeier kommen Tausende Christen aus nah und fern zusammen und stärken ihren Glauben und ihre Verbundenheit.

Termin: 19.06.2016

Was sind Reliquien?

Das Wort „Reliquie“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Überrest“ oder „Überbleibsel“. So wie die Heiligen wurden daher im Mittelalter auch ihre körperlichen „Überreste“, also Gebeine, persönliche Gegenstände aus ihrem Besitz, Kleidung etc. verehrt.

Auch andere Weltreligionen wie Shintuismus, Buddhismus und Islam kennen diese besondere Form der Verehrung von Heiligen.

Bei der Anbetung der Heiligen um Fürbitte bei Gott sind die Reliquien sozusagen Stellvertreter des Heiligen.

„Reliquien sind nicht um ihrer selbst willen, sondern um der Ehre der Heiligen willen verehrungswürdig, so wie die Heiligen selbst nicht um ihrer selbst willen, sondern wegen der Gottesgnade groß sind.„

(Petrus Venerabilis, Abt von Cluny, zitiert nach Dinzelbacher, Reliquienverehrung, 1990, S. 225, Anm. 155)

Was ist eine „Translation“?

Das Wort „Translatio“ kommt ebenfalls aus dem Lateinischen und bedeutet „Übertragung“ oder „Überbringung“. Im Zusammenhang mit Reliquien ist dabei die Überbringung zwischen zwei Orten, meist von einem Kloster zu einem anderen gemeint.

Die Gebeine des Heiligen Vitus wurden im Jahr 836 als Reliquien vom französischen Kloster St. Denis bei Paris nach Corvey gebracht. Der Abt von St. Denis, Hilduin, hatte 830 in Corvey als Verbannter Schutz gefunden, und kam daher der Bitte des Corveyer Abtes Warin nach, die Reliquien Vitus‘ nach Corvey zu „übertragen“. Am 19. März 836 wurden die Reliquien nach Rebais gebracht. Dort wurden die Gebeine an eine Abordnung von Mönchen aus Corvey übergeben. Die Corveyer blieben zwei Monate in Rebais und zogen am 21. Mai über Luxemburg und nördlich an Aachen vorbei weiter Richtung Osten. Nach Zwischenstationen in Soest und Brakel trafen die Mönche am 13. Juni 836 zwei Tage vor dem Vitusfest in Corvey ein.

 


Ansgar Vesper

Ansgar Foto

Darstellung des HL. Ansgar
in der Abteikirche Corvey

Am St. Ansgar-Tag feiert die Kirchengemeinde traditionell die Vesper zur Erinnerung an den Glaubensboten und Apostel des Nordens in der Abteikirche St. Stephanus und Vitus zu Corvey.

Termin: am St.-Ansgar-Tag bzw. am darauf folgenden Sonntag

Ökumenische Vesper, zu der sich verschiedene Konfessionen im Gebet vereinen; in diesem Jahr waren Abt Johannes und die Mönche des dt.-orthod. Klosters von der Heiligsten Dreifaltigkeit Buchhagen ebenso beteiligt, wie der kopt. Bischof Damian aus dem Kloster des Hl. Mauritius Brenkhausen und der neue Leiter des ev. Weser-Nethe-Kirchengemeinde Höxter, Pfr. Gunnar Wirth.

 

 

 

Ferner finden sich in kostbaren Schreinen und Reliquiaren Gebeine des Hl. Apostels Bartholomäus (+ 1. JH), des Märtyrers Justinus (+ 165), Mercurius (+251) und Martinus (+397), sowie der Hl. Corveyer Äbte Druthmar und Ludolf und vieler weiterer Heiliger.

 

Zu den besonderen Anlässen in der Corveyer Abteikirche gehören auch Wallfahrten (von Schulen, kfd-Diözesanverband, Polizeiseelsorger etc.), Familienanlässe, musikalische Verper-Gottesdienste und vieles mehr.