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Wann ist Weihnachten

weihnacht

Bild: Friedbert Simon; Pfarrkirche St. Josef, Aschaffenburg www.pfarrbriefservice.de)

„Wann ist Weihnachten?“

 

In Erwartung vieler schöner und ersehnter Geschenke, lautete so meine Frage, die Frage eines Kindergartenkindes, zum Weihnachtsfest. Die Antwort schnitten die antwortenden Erwachsenen dem fragenden Kind auf den Leib zu. „Weihnachten ist, wenn das Christkind kommt.“

Ich war mit der Antwort einverstanden. Eine kindliche Zufriedenheit erfüllte mich. Wie gerne waren wir alle Kinder in einer überschaubaren Welt, die uns die Erwachsenen erklärten. Meine Eltern und Lehrer deuteten mir die Welt und führten mich, ohne zu ahnen, was sie damit anrichten, in die Art wie Erwachsene zu denken pflegen ein. Für meinen Teil kann ich sagen, sie hatten Erfolg, denn nun forderte ich auf die Frage nach Weihnachten eine erwachsene Antwort ein. Zählen und Messen entdeckte ich als neue Werkzeuge meines Geistes, die mein Denken und Sprechen von nun an prägten. Weihnachten ist am 25. Dezember jeden Jahres und es sind noch so und soviel Tage bis Weihnachten.

„Weihnachten ist, wenn das Christkind kommt.“ Auf die Frage nach dem Fest hatten mir die Erwachsenen eine Antwort gegeben, die auf einen Prozess verwies. Da muss jemand kommen und dieser jemand ist noch nicht da, muss wohlmöglich erst wachsen wie ein Kind. Darum mag es richtig sein, wenn dieser Prozess mit einem Kind in Beziehung gesetzt wird. Kinder wachsen und zeugen ganz natürlich vom unverfälschtem Wachstum des Lebens.

Gott wird Mensch! So lautet die Botschaft von Weihnachten und deutet sich im Christkind. Gott ist nicht irgend etwas, so wie ihn die Philosophen abendländischen Prägung gerne beschreiben, nein, Gott wird etwas. Gott wird Mensch. Gott wächst zum Menschen hin oder ich möchte es spitzer formulieren, indem ich zu sagen wage, Gott wächst in den Menschen hinein. Es mag auf der Hand liegen, dass er sich dabei selber mitbringt. In seiner Lebensfreude, seinem Glück, seiner Vollkommenheit aber auch mit seinem Verständnis, seiner Barmherzigkeit, seinem Frieden und seiner Liebe.

Weihnachten bewegt sich Gott auf den Menschen zu und wird zu einem nahbaren Gegenüber. Gott rückt sich menschlich in unsere Nähe. Alle Menschen werden unwiderstehlich eingeladen, sich auf Gott zuzubewegen. Der Mensch wächst in einer Gegenbewegung auf Gott zu und hat so Anteil an all dem, was wir uns zu Weihnachten wünschen.

 

Röttger 01In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein gesegnetes, friedvolles und frohes Weihnachtsfest und alles Gute sowie Gesundheit für das neue Jahr.

 

Markus Röttger

 

Weihnachtspäckchen für Alba Julia

alba-julia-01Auch in diesem Jahr möchten wir durch unsere Weihnachtspäckchen und die  Sachspenden das Kinderheim Alba Julia in Rumänien unterstützen. Ich habe mit Fr. Hüttemann-Bocca, der Leiterin des Kinderheims, gesprochen, es geht dem Heim finanziell zur Zeit sehr schlecht, da, vielleicht bedingt durch die große Flüchtlingsunterstützung und die Spendenbereitschaft dorthin, weniger Spenden eingegangen sind. So dass wir gerne zum einen  durch Geld-/ Kleidungsspenden aber auch durch unsere Weihnachtspäckchen für ein Kind/ einen Jugendlichen aus Alba Julia dem Kinderheim unsere Solidarität zeigen möchten. Ich werde  nach dem Martinsumzug und auch telefonisch oder per E-Mail gerne die Namen der Kinder und Jugendlichen verteilen. Ferner besteht wie immer die Möglichkeit Sachspenden (gut erhaltene Kleidungsstücke, Spielsachen, Decken…) abzugeben. Der  genaue Abgabetermin steht leider noch nicht fest, gebe ich aber gerne sobald er feststeht bekannt.

Kontaktpersonen:

Birgit Lohr, Tel.: 05271/920829   birgit.lohr@yahoo.de

und Hedwig Fleur.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung im Namen der Alba-Julia-Kinder!

 

VON DER MITTE ZUM RAND – UND DORT ZUR MITTE.

VON DER MITTE ZUM RAND –
UND DORT ZUR MITTE.

StallDas wirklich Bedeutsame geschieht nicht auf der großen Bühne, wo das Leben pulsiert, nicht im Zentrum, sondern abseits, am Rand, abgelegen, beinahe im Verborgenen; nicht bei den Großen, die die Geschicke der Welt bestimmen, sondern bei den Kleinen – den politisch Unbedeutenden.
Fast möchte man sagen: jenseits aller Ordnung.

Da erfährt ein junges Mädchen – nicht aus Jerusalem, sondern aus einem kleinen, unbedeutenden Dorf namens Nazareth – dass es Mutter Gottes werden soll – jenseits aller entsprechend geordneten Rahmenbedingungen.

Da trifft das Wort des Herrn auf einen alternativ lebenden Mann in der Wüste, der mit einem Umhang aus Kamelhaaren bekleidet ist und sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt, auf dass er von da aus die Menschen wachrüttelt, damit sie ihr Leben ändern und auf Gott hin ausrichten.

Als schließlich das große Ereignis Wirklichkeit wird und Gott in seinem Sohn in diese Welt und damit in unser Leben kommt, geschieht das wieder nicht in Jerusalem, auch nicht in Betlehem, sondern abseits auf weiter Flur, nicht in einem königlichen Palast, nicht einmal in einer Herberge, sondern in einem Stall. Der große Gott kommt als wehrloser Säugling in die Welt – in einem Menschen – in einem kleinen Kind; wir könnten sagen: uns ausgeliefert, der Fürsorge und Liebe von uns Menschen bedürftig.

Und wer nimmt ihn wahr?

Erst einmal nicht die Etablierten, sondern Hirten vom Feld – Menschen vom Rand.

Welche Chance hat er bei uns?

Weihnachten feiern wir gern mit großen Zeichen, am liebsten dort, wo das Leben pulsiert. Doch es ist wenig wahrscheinlich, dass wir ihn dort finden werden. Schließlich haben wir festgestellt: das Bedeutsame geschieht im Kleinen, in den kleinen Zeichen des Lebens, nicht auf der großen Bühne, sondern abseits, unscheinbar am Rand.

Dort kann er von uns wahrgenommen werden.

Er macht den Rand zur Mitte – und wir sind eingeladen,
mitten dabei zu sein.

Das Pastoralteam wünscht allen
frohe, gesegnete Weihnachten
und eine Sensibilität für die kleinen Dinge am Rand.

Geistliches Wort 09.12.

… wie ein Licht
in dunkler Nacht

Licht in der Dunkelheit ist etwas Schönes. Die momentan adventlich illuminierten Orte vermitteln eine angenehme Stimmung. Mehr noch: Licht nimmt die Bedrohung der Dunkelheit. Es vertreibt die Nacht nicht, aber: Licht kann Leben retten, wenn Sie an Leuchttürme o. ä. denken. Und das Licht des Morgensterns kündet den anbrechenden Tag an.

Licht in der Dunkelheit ist eines der zentralen Bilder, die die Advents- und Weihnachtszeit prägen.

Da ist die Weihnachtsgeschichte des Lukas. Durch die Botschaft des Engels erfahren Hirten nachts von der Geburt Jesu. Jesus wird für sie zu einem Licht der Hoffnung, das sie weiter tragen. Das ist wie ein Licht in dunkler Nacht. Wie der Morgenstern.

Und da ist der Beginn des Johannes-Evangeliums: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. … In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“ Jesus ist dieses Wort Gottes. Das Wort, in dem Gott zu uns redet, das Wort, das Leben schafft. Das ist wie ein Licht in dunkler Nacht. Wie der Morgenstern.

Unser Wort Weihnachten bedeutet „in heiligen Nächten“. Es hat überdies auch die Bedeutung: Nacht der Heilung, Nacht der Rettung oder Nacht des Beistandes.
Weihnachten ist wie ein Licht in dunkler Nacht.
Wie der Morgenstern.

Wahrscheinlich hat der evangelische Journalist und Autor Jochen Klepper diese Wortbedeutung von Weihnachten gekannt, als er im Jahre 1938 diese Zeilen verfasst hat:

Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern.

Die Nacht ist vorgedrungen, nicht beendet. Die Nacht des Lebens, die Dunkelheit der Welt muss vom Menschen durchschritten werden. Aber das kann nur, wer den Morgenstern vor Augen hat. Denn: Der Morgenstern ist der Stern, der den Sonnenaufgang ankündigt. Es ist ein auffallend heller Stern, der vor dem Sonnenaufgang sichtbar wird.

Weihnachten ist wie der Aufgang des Morgensterns, der uns den anbrechenden Tag ankündigt, den Tag, der keinen Abend kennt. Deshalb fährt Jochen Klepper fort:

Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf.
Ihr sollt das Heil dort finden

Krismsnek 01Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht

Hans-Bernd Krismanek, Pastor